Nostalgisches Etagenkarussell

Roland Barth kaufte mit 21 Jahren seine erste Achterbahn. Damit war er der jüngste Achterbahnbesitzer Deutschlands. Anders, als sein Leben zwischen Fahrgeschäften und Kirmesständen zu verbringen, kann und will Roland Barth nicht. Er liebt seinen Job und die Abwechslung. Doch bei aller Unternehmungslust und allem Globetrotter-Dasein kommt der 28-jährige Beueler auch immer wieder zurück in die Heimat und zur Familie.

Tradition ist für den jungen Unternehmer sehr wichtig.

Roland Barth Schausteller
Albert Kipp Karussell

Top: Sie lassen derzeit das größte transportable Etagenkarussell der Welt bauen, 14 Meter hoch, zwölf Meter Durchmesser und 60 Sitzplätze auf zwei Ebenen. Ist das ein Kindheitstraum, den Sie hier verwirklichen?

Roland Barth: Mein Kindheitstraum ist eigentlich, der Branche treu zu bleiben. Das Etagenkarussell war weniger Kindheitstraum, sondern hat sich mit den Jahren entwickelt. Ich habe mich immer dafür interessiert, was meine Großeltern oder Urgroßeltern gemacht haben und plötzlich tauchte ein Bild von 1925 auf, auf dem mein Uropa Albert Kipp neben seinem Etagenkarussell steht. So entstand die Idee. Meine Oma Kipp hat mich mit diesem Wunsch, ein neues Etagenkarussell bauen zu lassen, bestärkt. Wir beide glauben, dass viele Vintage- oder Retro-Gegenstände gerade wieder einen großen Aufschwung erfahren.

Top: Wie ist das Procedere für den Bau eines neuen Fahrgeschäfts: Hatten Sie einen Entwurf im Kopf und haben ihn dann gezeichnet?

Roland Barth: Zeichnen ist nicht so mein Ding, das überlasse ich lieber anderen (lacht).
Aber ja, ich hatte eine klare Vorstellung im Kopf und bin damit auf die Suche nach einer Firma gegangen, die den Entwurf für mich umsetzt. So haben wir den Hersteller Lamborghini in Italien gefunden – der nichts mit dem gleichnamigen Autohersteller zu tun hat – der uns ein grobes Konzept von dem Karussell liefern konnte. Wenn ich Mitte Juni wieder nach Italien fahre, dann geht es ans Eingemachte. Das heißt, wir suchen die Motive für die Figuren aus, wählen die Farben und manche Details ergeben sich erst vor Ort. Meine Mutter wird mich begleiten, sie hat sich zwar aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen, ist mir aber immer eine gute Beraterin.

The Grand Carousel Pferd
Roland Barth Etagenkarussell

Top: Wann dürfen die Bonner das erste Mal auf einem Retro-Pferd reiten?

Roland Barth: Auf dem diesjährigen Bonner Weihnachtsmarkt am 16. November! Auf dem Mülheimer Platz wird mein Karussell offiziell Eröffnung feiern. Für mich als Bonner ist das etwas ganz Besonderes und passt in unsere Familientradition, denn mein Opa Kurt Kipp hat 1974 auf dem Bonner Münsterplatz ebenfalls Premiere gefeiert, damals mit seiner Hitparade, einem Musik Express, oder auch Berg- und Talbahn. Deshalb macht es mich sehr stolz, hier auch mit einem neuen Geschäft zu stehen.

Top: Vermutlich fahren damit ebenso viele Erwachsene wie Kinder?

Roland Barth: Davon gehe ich aus. Und das ist der Moment, an dem Erwachsene sich wieder an ihre Kindheit erinnern und den Alltag vergessen. Der Plan ist auch, das Karussell für besondere Firmen, Messeveranstaltungen oder private Events anzubieten.

Mietbares Etagenkarussell der Superlative

Schausteller Roland Barth lässt in Italien das größte transportable Etagenkarussell der Welt bauen. Premiere im November
VON HOLGER WILLCKE

Zwei Krisenjahre liegen hinter dem Jungunternehmer Roland Barth. Der Schausteller hat die durch die Corona-Pandemie ausgelöste wirtschaftliche Talfahrt zwar überstanden, aber die Firmenbilanz hat ihm einige schlaflose Nächte beschert. Jetzt will er in der Jahrmarktsbranche wieder durchstarten.

Der Beueler hat in Italien ein neues Fahrgeschäft in Auftrag gegeben, das seine Premiere im November auf dem Bonner Weihnachtsmarkt feiern wird.
„The Grand Carousel“ heißt die Neuheit. Der vielversprechende Name wird durch diese Zahlen untermauert: 14 Meter hoch, zwölf Meter Durchmesser und 60 Sitzplätze auf zwei Ebenen. „Dieses Fahrgeschäft ist das größte transportable Etagenkarussell der Welt“, sagt der 28-Jährige voller Stolz.

Dieses Fahrgeschäft ist das größte transportable Etagenkarussell der Welt!

Über eine geschwungene Treppe, die sich bei der Karussellfahrt mitdreht, gelangen die Fahrgäste in die zweite Etage. Die Idee für diese Weltneuheit trägt Barth schon mehr als zwei Jahre in seinem Herzen. Großmutter Gerti Kipp hat kurz vor ihrem Tod 2021 den Enkel ermutigt, dieses Projekt an den Start zu bringen. Diese Art von Fahrgeschäft hat in der Schaustellerfamilie Kipp Tradition: Ur-Opa Albert Kipp ist 1925 mit einem Vorgängermodell auf Reise von Jahrmarkt zu Jahrmarkt gegangen.
Die Gespräche mit den Kreditinstituten waren laut Roland Barth schwierig: „Wenn man pandemiebedingt kaum Einnahmen generiert und parallel noch andere Kredite ablösen muss, sind Banken gegenüber Neuinvestitionen eher kritisch eingestellt.“
Nachdem die Stadt Bonn ihr Interesse an dem Fahrgeschäft für den Weihnachtsmarkt 2022 bekundet hatte, verlief dann der vierte Anlauf bei einer Bank erfolgreich. „Ich freue mich sehr, dass ich als hiesiger Schausteller die Premiere meines neuen Fahrgeschäftes in Bonn feiern kann. Das wird sicherlich für die Besucher des Weihnachtsmarktes eine ganz besondere Attraktion werden“, sagte Roland Barth bei einem Treffen mit dem General-Anzeiger. Auf der Suche nach einem erfahrenen Stahlbauer wurde Barth in Italien fündig. „Es gibt nicht viele Unternehmen, die solche Raritäten anfertigen“, weiß der Schausteller zu berichten.

The Grand Carousel Roland Barth